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Max Klinger: Vier Sonderschauen in Naumburg zum 100. Todestag

In Saale-Unstrut hat der Jugendstilkünstler Max Klinger sein Paradies gefunden. Zum 100. Todestag widmen sich vier Sonderausstellungen in und um Naumburg seinem Werk.

Brüssel, München, Paris, Rom und Leipzig: Der Bildhauer, Maler und Grafiker Max Klinger (1857-1920) war in den Metropolen Europas zu Hause, bevor er 1903 im beschaulichen Großjena bei Naumburg ein Häuschen mitten im Weinberg erwarb. Der sonnenverwöhnte Landstrich an Saale und Unstrut mit sanften Hügeln, Terrassenweinbergen und einzelnen Pappeln, die vielerorts wie Zypressen in den Himmel ragen, erinnerte den Künstler an Italien. Den Kosenamen „Toskana des Nordens“ verdankt die Region ihm. Immer wieder zog er sich von der Welt in sein Weinberghäuschen zurück. Hier entstanden zahlreiche Radierungen, Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder.

Vor 100 Jahren starb Max Klinger auf seinem Weinberg und wurde auf eigenen Wunsch hier beigesetzt. Im Herbst spüren das Max-Klinger-Haus im Weinberg, die Galerie im Schlösschen auf dem Naumburger Markplatz, das Oberlandesgericht Naumburg sowie der Naumburger Dom dem Schaffen eines Künstlers nach, der zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Symbolismus zählt.

Max-Klinger-Haus, Großjena: „Das Grab im Weinberg“
Als Max Klinger am 8. Juli 1920 auf seinem Weinberg im heutigen Naumburger Stadtteil Großjena beigesetzt wurde, kamen hohe Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kunst aus Leipzig und Dresden. Auch Käthe Kollwitz reiste aus Berlin an und drückte in einer Ansprache ihre Bewunderung aus: „Was uns fortriss, was wir liebten in diesen Blättern, war nicht die technische Meisterschaft. Der ungeheure Lebensdrang, die Energie des Ausdrucks waren es, was uns daran packte. Wir wussten, Max Klinger bleibt nicht an der Oberfläche der Dinge haften, er dringt in die dunkle Lebenstiefe.“

Die Beisetzung auf einem Privatgelände war damals unüblich, da Friedhofszwang herrschte. Doch es war Klingers Wunsch, nicht etwa in Leipzig begraben zu werden, sondern im Weinberg, seiner letzten Wirkungsstätte. Ebenso veranlasste er, dass als Grabschmuck die Bronzeplastik eines niederknieenden Athleten von 1901 aufgestellt wurde.

Die Sonderausstellung „Das Grab im Weinberg“ im Max-Klinger-Haus zeigt noch bis 1. November grafische und plastische Arbeiten, historische Fotografien, Archivmaterialien sowie ein Filmdokument. Sie beleuchten die Umstände seines Todes, die Beerdigung und die Entstehung seiner Grabstätte. Das Max-Klinger-Haus beherbergt außerdem eine sehenswerte Dauerausstellung zu seinem Leben und Schaffen. Im angeschlossenen Weinberg-Café lässt es sich wunderbar verweilen und beim Ausblick auf Naumburg der Faszination Klingers für diesen Ort nachspüren.

„Das Grab im Weinberg“
Max Klinger (1857–1920). Zum 100. Todestag.
bis 1. November 2020
Max-Klinger-Haus, Naumburg-Großjena
www.mv-naumburg.de/museen/klingerhaus

Galerie im Schlösschen, Naumburg: „Griffelkunst“ und „Wahlverwandtschaften“
Obwohl sich Max Klinger auf dem Höhepunkt seines Schaffens vor allem der Bildhauerei und Malerei widmete, blieb er seiner filigranen „Griffelkunst“, wie er sein grafisches Werk nannte, immer treu. Insgesamt schuf er 14 Radier-Zyklen mit rund 300 Grafiken sowie etwa 150 Exlibris und Einzelblätter. Die Galerie im Schlösschen auf dem Naumburger Marktplatz stellt noch bis 27. September in „Max Klinger: Griffelkunst. Radierte Träume“ eine Auswahl von etwa 100 Werken aus der Sammlung des Stadtmuseums Naumburg aus.

Vom 3. Oktober bis 22. November ist in der Galerie die Sonderschau „Wahlverwandtschaften: Künstler um Max Klinger“ aus der Sammlung Bodo Pientka zu sehen.

„Max Klinger: Griffelkunst. Radierte Träume“
bis 27. September 2020

„Wahlverwandtschaften: Künstler um Max Klinger. Sammlung Bodo Pientka“
3. Oktober bis 22. November 2020
Galerie im Schlösschen, Naumburg
www.mv-naumburg.de/galerie-im-schloesschen

Naumburger Dom und Oberlandesgericht, Naumburg: „Druck und Hingabe“
Acht Monate beschäftigten sich die vier zeitgenössischen Künstler Mariechen Danz, Ilko Koestler, Yorgos Sapountzis und Barbara Wege mit Max Klinger. Dafür erhielten sie von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und der Villa Romana in Florenz ein Stipendium. Die Villa Romana ist ein Atelierhaus für junge Künstler. Max Klinger erwarb das klassizistische Gebäude 1905, um vielversprechende Talente, unabhängig von staatlicher Förderung, zu unterstützen.

Die entstandenen Werke der vier Künstler werden vom 12. September bis 31. Oktober in der Sonderausstellung „Druck und Hingabe: eine Widmung an Max Klinger“ im UNESCO-Welterbe Naumburger Dom präsentiert. Korrespondierend dazu zeigt das Oberlandesgericht am Domplatz Max Klingers letzten Druckzyklus „Das Zelt“. Damit sind zum ersten Mal in Naumburg die 46 Radierungen aus der Sammlung des Stadtmuseums vollständig zu sehen. Darüber hinaus wird im Max-Klinger-Haus eine Textilarbeit von Mariechen Danz ausgestellt, die an Klingers langjährige Lebensgefährtin Elsa Asenijeff erinnert.

„Druck und Hingabe: Eine Widmung an Max Klinger“
12. September bis 31. Oktober 2020
Naumburger Dom, Oberlandesgericht Naumburg, Max-Klinger-Haus Naumburg-Großjena
www.naumburger-dom.de/druck-und-hingabe

 


Pressekontakt:
Angela Zimmerling THIEL Public Relations e. K. 01099 Dresden T: +49 351 31406966 E-Mail: azimmerling@thielpr.com

Max-Klinger-Grabstätte in Naumburg-Großjena. Die Sonderausstellung „Das Grab im Weinberg“ im Max-Klinger-Haus beleuchtet unter anderem die Entstehung der Grabstätte. Foto: Stadt Naumburg

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