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Winckelmanns Tod in Triest

Winckelmanns Tod in Triest

Am 8. Juni 1768, vor gut 250 Jahren, starb Johann Joachim Winckelmann im damals österreichischen Triest. Dieser Satz verschleiert aber die Dramatik, mit der das Leben des Begründers von Kunstwissenschaft und Archäologie endete. Winckelmann wurde von dem vorbestraften Koch Francesco Arcangeli, seinem Zimmernachbarn im Hotel Locanda Grande, ermordet. Zunächst hatte Arcangeli versucht, Winckelmann zu erdrosseln, dann stach er mit einem Messer auf ihn ein. Fünf der sieben Stichwunden, so das Ergebnis der Obduktion, waren tödlich. Winckelmann verstarb allerdings nicht sofort, sondern verblutete langsam. Er war noch über Stunden ansprechbar, machte Angaben zu Geschehen und Täter. Als Motiv benannte Winckelmann Habgier.

Dieses Geschehen, das einem Drehbuchschreiber kaum besser von der Hand gegangen wäre, ist der traurige Endpunkt des letzten Lebensabschnitts des zu Lebzeiten europaweit bekannten Autors und Wissenschaftlers. Nach Jahren in Italien hatte Winckelmann im April 1768 eine Reise in seine Heimat angetreten. Unter anderem hatte er auch geplant, den Fürsten Franz in Dessau zu besuchen, den er wenige Jahre zuvor durch die antiken Stätten in Rom geführt hatte. Winckelmann war zu dieser Zeit Oberaufseher über die Altertümer des Kirchenstaats. 

Bis nach Dessau kam Winckelmann allerdings nicht. Ein melancholischer Anfall ließ ihn die Reise schon in Regensburg abbrechen. „Allein er hatte kaum den deutschen Boden betreten, und dessen stärkende Bergluft geathmet, als er schon an der deutschen Bauart und ihren spitzen Dächern Unbehagen fühlen mußte, welches um so größer wurde, je mehr er im Lande vorrückte, und sich endlich in eine dumpfe Schwermuth verwandelte“, heißt es in Domenico de Rossettis Buch „Johann Winckelmann’s letzte Lebenswoche“.  Seine Rückreise führte den Prefetto d’Antichità über Wien – samt Audienz bei Erzherzogin Maria Theresia – nach Triest. 

Dort lernte er seinen Mörder im Hotel kennen und zeigte ihm arglos immer wieder seine vier Gold- und Silbermedaillen, die er von Maria Theresia für seine wissenschaftlichen Verdienste erhalten hatte. Diese Arglosigkeit verwundert nicht nur uns in heutiger Zeit, sondern überraschte schon Winckelmanns Zeitgenossen. Karl August Böttiger schreibt in der Vorrede zu de Rossettis „Lebenswoche“: „Man hat dieses schnelle Hingeben an einen ganz Unbekannten, dem es noch überdieß an aller feinen Bildung fehlte, höchst unklug und seltsam gefunden , ja der Himmel mag wissen, welche besondere Gründe zu einer so befremdenden Vertraulichkeit in unsers edeln Landsmanns auch sonst wohl bekannten Neigungen aufgesucht.“ Etwaige erotische Hintergründe der Tat, die Böttiger hier andeutet, konnten nie eindeutig geklärt werden. Arcangeli wurde zum Tod durch Rädern verurteilt und am 20. Juli 1768 hingerichtet.  

Die Reaktion auf den Mord war ein allgemeiner Schock in den gebildeten Schichten Europas. Auch unter diesem Eindruck der allgemeinen Trauer entschloss sich Fürst Franz das neue Schloss in Wörlitz ganz nach den Ideen Winckelmanns gestalten zu lassen. Heute ist Schloss Wörlitz Teil des UNESCO-Welterbes „Gartenreich Dessau-Wörlitz“. Kurz nach Winckelmanns Todestag befassen sich zwei Veranstaltungen im Halberstädter Gleimhaus am 13. und 14. Juni mit dem Stendaler Humanisten. So stellt der Kunsthistoriker des Gleimhauses, Dr. Reimar Lacher, die Porträts Winckelmanns vor – schließlich ist der Stendaler auch unter den Porträts in Gleims „Freundschaftstempel“ vertreten. Am Tag darauf ist das Theater der Altmark mit dem Stück „Winckelmanns Traum. Theatrale Begegnung mit Johann Joachim Winckelmann“ im Gleimhaus zu Gast. Einlass ist ab 18:30 Uhr, die Vorstellung beginnt um 19:30 Uhr.

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